Eisenmangel und Eisenmangelanämie?
Eisen ist ein wichtiges Spurenelement, das mit der Nahrung aufgenommen wird. Das Spurenelement ist an wichtigen Stoffwechselfunktionen beteiligt. Dazu gehören beispielsweise die Energieversorgung in den Körperzellen oder die Abwehr von Infektionen.
Vermindert sich das Gesamtkörpereisen, spricht man von einem Eisenmangel. Sinkt eisenmangelbedingt der eigene Hämoglobin-Wert unter den altersbedingten bzw. geschlechtsbedingten Normwert, spricht man von einer Eisenmangelanämie.
Eisenwerte im Blut
Etwa zwei Drittel des Eisens im menschlichen Körper befinden sich in den roten Blutkörperchen. Dort sorgt es dafür, dass der lebenswichtige Sauerstoff von den Lungen zu den Organen gelangt. Denn Eisen ist ein zentraler Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, das den Sauerstoff bindet und bei Bedarf entlässt.
Stadien des Eisenmangels
Bei entsprechend guter Eisenversorgung ist der Organismus in der Lage, überschüssiges Eisen mit einem speziellen Eiweiß zu ummanteln und als Ferritin in Organen wie der Leber, Milz und dem Knochenmark zu speichern. Wird hingegen zu wenig Eisen aufgenommen, wenn ein erhöhter Bedarf vorliegt oder nach Blutverlust, kann ein Eisenmangel auftreten.
Medizinisch wird hierbei zwischen verschiedenen Schweregraden unterschieden:
- In einem frühen Stadium des Eisenmangels (Speichereisenmangel) sind die Eisenreserven reduziert, jedoch kann der Körper noch ausreichend Hämoglobin herstellen.
- Die nächste Stufe stellt die eisendefizitäre rote Blutkörperchenbildung (Erythropoese), oder auch funktioneller Eisenmangel dar: Die Eisenreserven sind so weit reduziert, dass Zellen nicht mehr ausreichend mit Eisen versorgt werden können. Das äussert sich in Form erster, unspezifischer Symptome, während die Hämoglobinwerte weiterhin im Normbereich sind.
- Ist schliesslich nicht mehr genügend Eisen im Körper vorhanden, um genügend Hämoglobin zu bilden, wird dies als Eisenmangelanämie oder umgangssprachlich (eisenbedingte) Blutarmut bezeichnet.
Ursachen für Eisenmangel und Eisenmangelanämie
Die Ursachen für einen Eisenmangel können eine unzureichende Nahrungszufuhr von Eisen, ein erhöhter Eisenbedarf oder Eisenverlust sein.
Eine vegetarische oder vegane Ernährung stellt einen potentiellen Risikofaktor zur Entwicklung eines Eisenmangels dar. Auch einige pflanzliche Nahrungsmittel sind eisenreich. Allerdings fällt es dem menschlichen Organismus sehr viel leichter, Eisen aus tierischen Lebensmitteln zu verwerten. Des Weiteren kann eine einseitige oder mangelhafte Ernährung zu einem Eisenmangel beitragen. Senioren sollten ebenfalls auf eine ausreichende Eisenzufuhr achten, denn mit höherem Alter steigt das Risiko für das Auftreten von Eisenmangel.
Frauen verlieren während der Menstruation durchschnittlich 50 ml Blut und haben daher einen erhöhten Eisenbedarf. Sehr häufig von einem Eisenmangel betroffen sind ausserdem schwangere Frauen, da der mütterliche Organismus zusätzlich Blut zur Versorgung des Ungeborenen bildet. Auch in der Zeit nach der Geburt (Wochenbett) und in der Stillphase ist der Bedarf erhöht. Mehr Eisen benötigen des Weiteren Kinder in der Wachstumsphase und Pubertät sowie Ausdauersportler.
Ein Blutverlust führt zwangsläufig zu einem erhöhten Eisenbedarf. Zu den Ursachen zählen neben Operationen und Unfällen auch häufiges Blutspenden (mehr als 2x im Jahr). Zudem können unerkannte Blutungen des Magen-Darm-Traktes, beispielsweise durch Geschwüre oder Tumoren verursacht, einen Eisenmangel hervorrufen.
Symptome eines Eisenmangels
Ein Eisenmangel führt je nach Schweregrad zu unterschiedlichen Symptomen. Eine Diagnose wird nicht selten erst verzögert gestellt, da die unspezifischen Symptome in der ärztlichen Praxis nicht zwangsläufig einem Eisenmangel zugeordnet werden.
Mögliche Symptome für einen Eisenmangel
Zu den allgemeinen Anzeichen zählen:
- Kraft- und Antriebslosigkeit
- Belastungsschwäche, Konzentrationsstörungen
- Kopfschmerzen
Darüber hinaus gehören zu den vielfältigen Symptomen eines Eisenmangels auch:
- entzündliche Veränderungen in den Mundwinkeln
- eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte
- ein gestörtes Haar- und Nagelwachstum
- unruhige Beine („Restless Legs Syndrom“)
Die Haut kann ebenfalls betroffen sein und rissig, trocken oder spröde wirken. Eine Eisenmangelanämie kann zudem Kurzatmigkeit (insbesondere unter Belastung) und Herzklopfen verursachen. Mediziner haben kürzlich ausserdem festgestellt, dass bei Patienten mit Herzschwäche auffallend häufig ein Eisenmangel vorliegt.
Diagnose eines Eisenmangels
Zur Diagnose eines möglichen Eisenmangels gehört zunächst das Gespräch mit dem Arzt. Dabei können etwaige frühere Erkrankungen, aktuelle Medikamenten-Einnahmen, sowie Lebens- und Ernährungsgewohnheiten erfragt werden. Die definitive Diagnose eines Eisenmangels stützt sich auf die Untersuchung einer Blutprobe. Im Labor werden daher anhand der Probe eine Reihe von Parametern bestimmt. Eine zentrale Kenngrösse ist die Konzentration von Ferritin im Blutserum. Der Messwert des Serum-Ferritins gibt Auskunft über den Status der Eisenreserven im Körper und sollte zur korrekten Interpretation gemeinsam mit einem Entzündungsparameter erhoben werden. Ebenfalls im Labor wird die Menge des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobinwert: Hb-Wert) ermittelt.
Bei Frauen sollte der Hb-Wert ≥12 g/dl liegen (bei Schwangeren niedriger), bei Männern ≥13 g/dl. Fällt der Hb-Wert unter diese Normgrenze, liegt eine Blutarmut (Anämie) vor. Die Blutarmut kann auch mit einer – unter dem Mikroskop – sichtbaren Veränderung der roten Blutkörperchen einhergehen, weshalb deren Aussehen ebenfalls bewertet wird. Zusätzlich können weitere Testergebnisse, wie die Konzentration des löslichen Transferrinrezeptors, die Hinweis auf das Mass der Eisenversorgung gibt und die Retikulozytenzahl (unreife rote Blutkörperchen), sowie abgeleitete Parameter wie die Transferrinsättigung in die Diagnose einfliessen.
Therapiemöglichkeiten bei Eisenmangel
Bei nachgewiesenem Eisenmangel ist dessen Ursache festzustellen. Stellt sich heraus, dass der Grund eine mangelnde Zufuhr von Eisen ist, sollte auch die Ernährung dementsprechend angepasst werden.
Ernährung bei Eisenmangel
In tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln ist Eisen weit verbreitet, wenngleich meist in geringen Mengen. Fleischsorten wie etwa Rind, Kalb, Schwein, Geflügel sowie Fisch und Meeresfrüchte sind eisenhaltig. Aufgrund seines hohen Blutgehalts als «rot» bezeichnetes Fleisch sowie verarbeitetes Fleisch stellen die Hauptquelle für Eisen in entwickelten Ländern dar. Allerdings sollte aus medizinischen Gründen der Verzehr von rotem Fleisch 500 g pro Woche nicht überschreiten. Mit einem Gehalt von 30 mg Eisen pro 100 g Blutwurst gilt diese als Spitzenreiter unter den gängigen Eisenlieferanten.
So enthalten rotes Fleisch (insbesondere vom Rind) und Fisch für den Körper gut bioverfügbares Eisen, das sogenannte Häm-Eisen. Auch einige pflanzliche Nahrungsmittel – wie Weizenkleie, Soja, Linsen oder Bohnen – sind reich an Eisen. Dabei handelt es sich jedoch um einen anderen Typ von Eisen (Nicht-Häm-Eisen; Fe3+), das während der Verdauung erst in die vom Körper aufnehmbare Form (Fe2+) umgewandelt werden muss. Dies hat zur Folge, dass der Körper aus pflanzlichen Lebensmitteln nur 5-12 % des enthaltenen Eisens verwerten kann, bei tierischen Produkten sind es hingegen rund 15-35 %. Vegetarier und Veganer sollten daher gezielt eisenreiche Nahrungsmittel bevorzugen, um einem möglichen Eisenmangel vorzubeugen.
Zu den eisenhaltigen pflanzlichen Nahrungsmitteln gehören Hülsenfrüchte, grüne Gemüsesorten, Nüsse, Trockenobst und Getreideprodukte. Hierunter sind insbesondere Sojamehl (12 mg Eisen/100 g Nahrungsmittel), Weizenkleie (16 mg/100 g) und Kürbiskerne (9,1 mg/100 g) hervorzuheben.
Neben dem Eisengehalt von Lebensmitteln spielt auch die Bioverfügbarkeit des Spurenelements eine entscheidende Rolle, also wie gut unser Organismus das Eisen aus der Nahrung aufnehmen (fachlich: resorbieren) kann. In tierischen Produkten findet sich vorwiegend Häm-Eisen (Fe2+), das zu 15 bis 35 % vom Körper aus der Nahrung resorbiert wird. Pflanzliches Eisen (Fe3+) hingegen unterscheidet sich von tierischem Eisen und kann nur zu 5 bis 12 % von unserem Körper genutzt werden. So besteht – bei gängiger Ernährungsweise – zwar nur ein Drittel des gesamten Eisens in der Nahrung aus Häm-Eisen, doch dank der hohen Bioverfügbarkeit macht es zwei Drittel des vom Körper resorbierten Eisens aus.
Die Aufnahme des Spurenelements wird zudem durch weitere Faktoren beeinflusst: Bestimmte Nahrungsbestandteile können die Resorption begünstigen. Hierzu zählen Vitamin C, bestimmte Eiweisse im Sauerkraut oder Sojasauce. Hingegen eine hemmende Wirkung wurde für die sogenannten Phytate (beispielsweise in Getreideprodukten oder weissem Mehl enthalten), Tannine (in Tee und Kaffee) sowie Calcium (in Milch und Milchprodukten) nachgewiesen. Im Sinne einer verbesserten Eisenaufnahme aus der Nahrung kann es daher sinnvoll sein, ein Glas Orangensaft zur Mahlzeit einzunehmen und den Kaffee nach dem Essen besser mit etwas zeitlichem Abstand zu sich zu nehmen.
Eisenmangel Präparate
Bleibt trotz einer Ernährungsumstellung der Eisenbedarf ungedeckt oder liegt ein schwerer Eisenmangel vor, ist die Einnahme von oralen Eisenpräparaten (wie z.b. Tabletten, Tropfen) gemäss den Vorgaben des Arztes empfohlen. Dabei ist zu beachten, dass orale Eisenpräparate sehr unterschiedlich wirksam sind:Von Experten und in Leitlinien empfohlen werden orale Präparate auf der Basis von Eisensulfat.Hier liegt das Eisen in der für den Organismus gut bioverfügbaren Form (Fe2+) vor. Eisensulfat ist in der Schweiz unter anderem in Form von Tabletten erhältlich.
Wichtig für eine gute Verträglichkeit von oralen Eisen-Präparaten ist die Darreichungsform: Ein Eisen-Präparat sollte das Eisen nur verzögert freisetzen, das verringert die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen und Verstopfungen.
Eisen-Infusionen
Wenn orale Präparate nicht vertragen wurden oder wirkungslos blieben, besteht die Option einer intravenösen Verabreichung eines Eisenpräparates durch den Arzt, meist per Infusion. Eisen-Infusionen mit modernen Präparaten sind meist gut verträglich und vor allen Dingen schnell wirksam. Der individuelle Eisenbedarf wird vom Arzt berechnet und die entsprechend nötige Eisenmenge kann genau dosiert werden. Je nach Präparat kann es nach der Eisen-Infusion zu mehr oder weniger stark ausgeprägten vorübergehenden Phosphatverlusten kommen. Phosphat wird vom Körper für eine Vielzahl an Prozessen benötigt, wie zum Beispiel für die Muskelkontraktion, aber auch für die Knochengesundheit. Ein durch Eisen-Infusionen ausgelöster Phosphatmangel kann sich – ganz ähnlich wie Eisenmangel – in anhaltender Müdigkeit und Schwäche äussern.